Samstag, 2. November 2013

The Horror after Halloween

Eine Woche lang sagte ich jeden Tag den gleichen Satz zu meinem Freund: "Du wir müssen unbedingt dran denken, dass wir für Donnerstag noch Süßigkeiten kaufen!" 

Letztes Jahr am 31.10. nämlich, es war der Tag nach dem Einzug in unserer neuen Wohnung und ich frisch aus Holland wieder in Deutschland angekommen, klingelte es gegen frühen Abend an der Tür. Nichtsahnend war ich dumm genug, sie zu öffnen, nur um mich in einer Horde kleiner Hexen und Gespenster wiederzufinden, die, lauthals "Süßes oder Saures!" kreischend, anscheinend während meiner Abwesenheit den Halloween-Brauch in Deutschland eingeführt hatten. (Vielleicht lag es auch daran, dass ich auf dem Land groß geworden bin, aber bei uns gab es das damals garantiert nicht nicht!) Ich konnte mich damals mit einer großen Packung Cola-Schnüre aus der Affäre retten, die ich glücklicherweise noch aus Holland mitgebracht hatte. Peinlich war's trotzdem. 

Wobei... wenn ich mich hiermit vergleiche, haben meine Cola-Schnüre wahrscheinlich eine  Auszeichnung verdient! (Gefunden bei Schlecky Silberstein und "Horror-Meldung des Tages")
Um nicht noch einmal ein rohes Ei an meiner Tür zu riskieren (in Berlin soll auch Zahnpasta an den Briefkästen sehr beliebt sein), plante ich also dieses Jahr schon großzügig eine Woche vorher ein, Süßigkeiten zu kaufen - und vergaß es prompt. 

Come Halloween Eve, 5:30 pm. Draußen schon gefühlte halb 10, da durch Zeitumstellung zappenduster, mein Freund und ich sitzen einträchtig nebeneinander am Tisch und starren romantisch jeder auf einen Computerbildschirm, als im Hausflur ein Riesengetrappel losgeht. Kurz gebe ich mich noch der Illusion hin, dass ein Kindergeburtstag gefeiert wird, bevor es schon in der ersten Etage klingelt und "Süßes oder Saures!" aus mindestens fünf aufgeregten kleinen Kinderkehlen gekreischt wird. Wir schrecken hoch und starren uns panisch an. 

WIR HABEN VERGESSEN, DIE VERDAMMTEN SÜßIGKEITEN ZU KAUFEN!!

Was es bedeutet, wenn Kinder ihre Halloween Süßigkeiten nicht bekommen, wissen wir ja nun spätestens seit Jimmy Kimmel.



Während der Mann des Hauses also, ganz wie es seiner Rolle gebührt, hektisch in der Wohnung herumrennt und alle Lichter ausknipst (man kommt sich dabei schon ein bisschen vor wie ein Verbrecher), schnappe ich mir Schlüssel und Geld und renne wie der Teufel. Zum nächsten Rewe. 

Zwei Tüten Maoam Mix und eine Tüte Nimm 2 später sehe ich mich einer Kassenschlange gegenüber, die meinen Freund noch zu mindestens weiteren 15 Minuten im Dunkeln verdammt. Ich ziehe die letzten Register: "Entschuldigen Sie, würden Sie mich vielleicht vorlassen? DIE STEHEN SCHON BEI UNS VOR DER TÜR!" Wahrscheinlich sind es weniger die Worte als vielmehr mein Tonfall, der die Leute schnell zur Seite springen lässt. Eventuell auch die Panik in meinen Augen und die Schweißperlen auf der Stirn. 

Vollkommen durchgeschwitzt komme ich zuhause an, drapiere Bonbons und Maoam in einem kleinen Koffer und schalte, diesmal voller Stolz und mit viel Zeremoniell alle Lichter wieder an. Sollen sie alle kommen!

Ich gebe zu, die Optik ist eher Oktoberfest als Halloween, aber wir wollen's ma nicht übertreiben, ne?
UND WATT IS? Das Foto ist von heute, ihr könnt es euch also denken.

EINMAL hat es noch geklingelt. Alle anderen Kinder waren wohl vorgewarnt, oder der Brauch hatte sich doch noch nicht so verbreitet wie ich gedacht hatte. Naja. Ich schaffte es, diese erfolglose Nacht ohne ein Halloween Trauma zu überstehen.

Das Halloween Trauma kam später.


Ladies and Gentleman, Mila Cooking Productions presents:

THE HORROR AFTER HALLOWEEN.

Wie die Geschichte begann ist hier nachzulesen. Jedenfalls kam ich mit diesem Kürbis nach Hause, der geneigte Leser erinnert sich.


So geschätzte 12 Kilo also, den kann man ja nicht einfach wegschmeißen, wenn die Kürbis-Dekorationszeit vorbei ist. Bei Mila Cooking Productions entsteht eine grandiose Idee: Kürbisbrötchen! Das in der Geschichte der Firma nie vorher mit Hefe gearbeitet wurde, wird bei Mila Cooking Productions nicht als Problem erkannt.

"Lassen sie den Teig in einer warmen Ecke eine Stunde ziehen, er geht dann noch auf." Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions nimmt dies als Hinweis, den genau 50 Minuten dauernden Zumba-Kurs wahrzunehmen, der im 5 Minuten entfernten Fitnessstudio stattfindet. Genau eine Stunde Zeit also. Glücklicherweise ist eine große Schale vorhanden, in der der Kürbisbrötchen-Teig gemütlich vor sich hin "gehen" kann.

Eine Stunde später.

Glücklich und ausgepowert kommt die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions ins Firmengebäude. Schon beim Aufsperren der Tür breitet sich allerdings eine dunkle Vorahnung in ihr aus. Es liegt eine ominöse Stille über der Szenerie, fast als ob sich etwas darauf vorbereitet, anzugreifen.

Leise schleicht sich unsere Zumba-Tänzerin zur Küchentür, reisst sie mit einem Knall auf und

WAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!


Das Grauen hat einen neuen Namen.
Und es wächst.
Und wächst.
Und wächst.

Voller Trauer und Angst muss ich verkünden, dass der Kürbisbrötchenteig entkommen konnte. Die Vorstandsvorsitzende der Mila Cooking Productions hat sich mutig in den Kampf geschmissen, aber sie konnte ihn nicht besiegen.

Was habe ich da nur erschaffen?

Womöglich werden schon nächstes Jahr Kürbisse durch Berlins Straßen ziehen, auf der Suche nach Menschenköpfen, die sie aushöhlen und als Laterne in ihre Vorgärten stellen können. Nichts und niemand ist dabei vor dem Kürbisbrötchenteig sicher, denn er presst sich auch durch die kleinsten Ritzen, durch Dielenböden und sogar durch verriegelte Waschmaschinentüren. Dort lauert er auf seine Gelegenheit. SEID WACHSAM!

Es bleibt mir nur noch zu verkünden, dass die Vorgesetzte der Mila Cooking Productions zurückgetreten ist. Den Rest ihres Lebens wird sie mit der Suche nach einem Gegenmittel verbringen.



Kommentare:

  1. Hehe, du schreibst total witzig, ich musste echt grinsen ;)
    An Halloween waren bei uns gar keine Kinder, OBWOHL wir vorher Süßigkeiten eingekauft haben :D
    Na ja, irgendwie ist es auch nur in den USA ein richtiges Fest, hier in Deutschland finde ich es ehrlich gesagt lächerlich ^^

    Alles Liebe, Josi ♥

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    1. Danke :)
      Ja, ich fand Halloween früher auch immer lächerlich, aber mittlerweile denke ich, man sollte so viele Feste wie möglich adoptieren. Gründe zum Feiern sind immer toll und wir verpassen hier in Deutschland einfach die besten (So wie Halloween und Thanksgiving). Ausserdem hat mir das Martinssingen (gabs bei mir in der Heimat zum Martinstag und war halt auch für Süßigkeiten singen) als Kind immer soviel Spass gemacht, dass ich den Kids das einfach gönnen würde wenn Halloween sich hier ausbreitet. :)

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  2. *pruuust* Danke für die Erheiterung, das war echt toll geschrieben!
    Ich war zum Glück nicht zu Hause in der Hauptzeit - aber bei uns kommen sowieso selten Kinder vorbei. ;-)

    An sich habe ich ja auch nix gegen solche Rumgeh-und-Süßigkeiten-einheims-Bräuche - aber dann bitte mit Gedicht aufsagen oder singen oder irgendwas anderem Netten, ich mag nicht gerne erpresst werden, was rauszurücken, damit sie sich nicht ganz offiziell durch Halloween legitimisiert danebenbenehmen und eklige Sachen an die Haustür werfen oder sowas, das finde ich einfach blöd.

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    1. Ja das stimmt, ein Gedicht oder Lied wäre mir auch lieber. Andererseits ist das Fest ja für die Kinder, und wenn die da so Spass bei haben, reicht mir das. Sich danebenbenehmen ist natürlich immer doof, da sollten dann die Eltern auch ein Auge drauf haben.

      In Schleswig, in der Heimat von meinem Freund gibt es am Silvesterabend den Brauch, dass Leute sich verkleiden un mit einem Schnapsglas von Tür zu Tür gehen, wo sie dann gegen Aufsagen eines Gedichtes auf Platt einen Schnaps kriegen. Das finde ich ziemlich cool! :)

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  3. Oh Gott, was für eine Schweinerei. xD Aber sehr amüsant. :D

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    1. In der Tat. Man kann sich garnicht vorstellen, wie schwierig es ist den Teig aus den Waschmaschinenknöpfen wieder rauszukriegen... O_o

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  4. Hahaha, ich musste mir grad die Szene im Supermarkt bildlich vorstellen! :-))

    Bei meiner Familie in der Kleinstadt ist es üblich, dass man einen Kürbis an der Haustür aufstellt, um damit zu signalisieren, dass an Halloween die Kinder willkommen sind.
    Meistens sind es ja auch nicht die Kinder, die dann solchen Blödsinn aufführen, da die ja meist sowieso in Begleitung Erwachsener unterwegs sind, sondern eher Jugendliche, die Halloween als Legitimation verwenden, um sich danebenzubenehmen. Ich finde es schade, wenn durch solche Aktionen dann auch Kindern, die einfach nur harmlos verkleidet von Haus zu Haus ziehen, niemand mehr öffnen will (wie es ja teilweise der Fall ist).
    Meine Nichten und Neffen haben auf alle Fälle immer einen Heidenspaß an Halloween und haben da noch nie was schlimmes angestellt.

    Mit Germ, also Hefeteig habe ich übrigens immer das gegenteilige Problem: Der geht bei mir einfach nicht auf! %-)

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  5. Das mit dem Kürbis finde ich eine Klasse Idee, das wollte ich auch machen, hatte dann aber Angst, dass jemand drüber stolpert und rückwärts die Treppe runterfällt. Bei den Mörderkürbissen hier wäre das wohl auch nicht so weit hergeholt gewesen.

    Ich glaub auch, dass die die sich daneben benehmen eher die Jugendlichen sind. Wobei ich eigentlich generell noch nie jemanden gesehen hab, der sich an Halloween so ganz schlimm verhält. Allerdings sind uns Abends eine Truppe halbstarker Jungs mit Scream Masken entgegengekommen, das fand ich dann doch ein bisschen unheimlich :p

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  6. Verdammt, jetzt muss ich mir schon wieder einen neuen Wohnort suchen! ;)

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  7. Hahaha! Wirklich suuuper witzig geschrieben! :D
    Dass mit den Süßigkeiten nennt man wohl Murphy's Gesetz - hättest du keine mehr gekauft, wärt ihr garantiert von Kindern überrannt worden. Aber so ists doch besser - mehr Naschen für dich ;)
    Bei uns klingelt es jedes Jahr ziemlich oft; dieses Jahr bin ich einfach bei Einbruch der Dunkelheit geflüchtet. Ein paar Zombies sind mir aber entgegengekommen und ich war wirklich sehr begeistert von den Kostümen - die haben sich richtig Mühe gegeben und ich bin tatsächlich ein klitzekleines bisschen erschrocken, als die mir in der Dämmerung entgegengekommen sind :D

    Kennst du dieses Slimy-Zeug? Das gab es bei uns früher in der Grundschule und war super beliebt. So ein grüner oder blauer Wabbelschleim war das, den die Jungs immer nach uns Mädchen geworfen haben. Daran musste ich bei deinem Teigmonster sofort denken. Ich hoffe, du musst nicht immernoch saubermachen! ;)

    Liebe Grüße
    MelMel

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  8. Howdie! ^-^
    Sorry wenn ich störe oder der Kommentar nicht ganz zum Post passt, aber hast du vielleicht Lust auf eine Fantasy-Lesenacht die Dritte - Lesen bis uns Flügel wachsen vom Feinsten? :D ♥
    PS. Der Kürbisbrotteig der wächst... sieht irgendwie geil aus :D Und schade um das Süßes. Bei uns wurde auch nur einmal geklingelt und die waren nicht mal Verkleidet. Tz. Habe denen desshalb auch nichts gegeben obwohl wir was hatten. Als 16-Jährige darf man das noch auf Hormone schieben :D

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